mistetherapieDie anthroposophische Misteltherapie feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Ihre gut belegte Wirksamkeit auf das Immunsystem und auf die Lebensqualität der Patienten macht sie heute aktueller denn je.

Mehr als zwei Drittel der Krebspatienten wenden neben der konventionellen Therapie Verfahren aus der Komplementärmedizin an: Heute ist die Mistel der zentrale Baustein in der modernen Integrativen Krebstherapie. Außerdem gehören zum integrativen Ansatz: Heileurythmie, Kunsttherapie, Rhythmische Massage, Wickel & Auflagen, Sport, Bewegung, Ernährung.

Keine Alternativmedizin!

In der Regel wird die anthroposophische Misteltherapie begleitend zur konventionellen Krebstherapie – Chemo- und Strahlentherapie, Hormontherapie, Operationen – eingesetzt. Eine Misteltherapie ist bei allen Tumorerkrankungen möglich und sinnvoll, mit Ausnahme von Leukämien und Lymphomen. Sie schwächt eine konventionelle Therapie (Chemo- oder Hormontherapie) nicht ab, sondern verstärkt deren Wirkung eher noch. Um es ganz klar zu machen: Die Misteltherapie verändert nicht die Wirksamkeit der Chemotherapie!

Mistelextrakte wirken im menschlichen Körper auf unterschiedliche Weise. Sie können den "Selbstmord" (Apoptose) der Krebszellen anregen und dazu beitragen, dass der Tumor nicht weiter wächst oder sogar kleiner wird. Die aufgrund der Krebserkrankung verringerten Immunzellen vermehren sich wieder.

Besonderes Arzneimittel

Die Mistel (Viscum album L.) ist etwas ganz Besonderes: Anders als andere Pflanzen wächst sie auf Bäumen und ernährt sich von ihrem Wirtsbaum. Die reifen weißen Früchte trägt sie im Winter (November/Dezember). Sie richtet ihr Wachstum nicht nach der Sonne aus.

Dass diese Besonderheiten vor allem in der Krebstherapie therapeutisch genutzt werden können, erkannten Rudolf Steiner und Ita Wegman und entwickelten vor hundert Jahren, 1917, das erste injizierbare Mistelpräparat für die Krebstherapie. Die Mistel weist mehr als 1.000 verschiedene Inhaltsstoffe auf. Besonders intensiv wurden die Wirkungen von Eiweißstoffen (Lektine und Viscotoxine) erforscht. Diese und die weiteren Inhaltsstoffe tragen zu der immunmodulierenden und tumorhemmenden Wirkung der Mistel bei.

Durch die Aktivierung der Immunzellen regt sie das Immun- oder Abwehrsystem an. Sie aktiviert den (oft gestörten) Wärmeorganismus, so dass viele Patienten wieder wärmer werden (Temperatursteigerung je nach Dosierung), auch in ihrem seelischen Empfinden. Dadurch fühlen sich viele Patienten wieder wohler, fitter und weniger „krank“. Zudem kann die Mistel in Tumorzellen die so genannte Apoptose, das heißt den Prozess des natürlichen Zelltodes, anregen und das Wachstum des Tumors dadurch hemmen. Das gesunde Gewebe wird dadurch nicht beschädigt. Im Gegenteil: Immunzellen und andere gesunde Zellen werden vor weiterer Schädigung, zum Beispiel durch die Chemotherapie, geschützt.

Wissenschaft & Forschung

In vielen Studien konnte mittlerweile gezeigt werden, dass sich die Misteltherapie direkt auf die Lebensqualität auswirkt: Mit Mistel behandelte Krebspatienten fühlen sich insgesamt besser und leistungsfähiger, haben mehr Appetit, schlafen besser und sind weniger infektanfällig. Auch wirkt die Misteltherapie stimmungsaufhellend, kann tumorbedingte Schmerzen lindern und das Fatigue-Syndrom (Müdigkeit) verbessern.

Als sinnvolle Ergänzung zu Standardtherapien ist die Wirksamkeit der anthroposophischen Misteltherapie in zahlreichen Reviews und Studien belegt. Studien zeigen eine klinische Wirksamkeit:

  • Die Misteltherapie verbessert die Lebensqualität. Vitalität, Wärmeempfinden, Schlaf, Appetit und möglicherweise die Schmerz-Symptomatik werden verbessert.
  • Die Misteltherapie verringert die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie, zum Beispiel Erschöpfung (Fatigue), Übelkeit und Erbrechen oder Schmerzen.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass die Misteltherapie dazu beitragen kann, das Gesamtüberleben zu verlängern. Diese Aussage wird zum Teil kontrovers diskutiert.

Obwohl sich die Mistelforschung sehr dynamisch entwickelt, wird ihre klinische Wirksamkeit immer wieder kritisch diskutiert. Immer wieder halten Ärzte die Misteltherapie für unwissenschaftlich. Fakt ist jedoch: Die Misteltherapie ist mit über 100 klinischen Studien unterschiedlicher Qualität und mehreren hundert präklinischen Laborstudien eines der am intensivsten wissenschaftlich erforschten Verfahren der Komplementärmedizin.

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